TÄTIGKEITSBERICHTE
TÄTIGKEITSBERICHT 2009
Geschäftsstelle
Das Stiftungssekretariat der SSAF hat wiederum zahlreiche Anfragen zu aktuellen und historischen Trends in der alpinen Forschung direkt beantwortet oder zur vertieften Erörterung an kompetente Persönlichkeiten der einzelnen
Fachdisziplinen weitergeleitet.
Unterstützungsgesuche
Auch im Berichtsjahr 2009 sind diverse Unterstützungsgesuche eingegangen, denen nicht nachgekommen werden konnte. Bei der Evaluation der Unterstützungsgesuche wird angesichts des beschränkten Stiftungsbudgets wie folgt vorgegangen:
1. Die Mittel werden auf jene Projekte fokussiert, die sich am besten mit den Stiftungszielen decken.
2. Die Gesuche werden auf ihren wissenschaftlichen Gehalt und ihre Bedeutung, ebenso aber auch auf ihre
Originalität und auf ihr Interesse für eine breitere Öffentlichkeit geprüft.
3. Wenn bereits anderweitige Finanzierungsmöglichkeiten und –zusagen bestehen, wird grösste Zurückhaltung geübt.
4. Generell hat es sich unsere Stiftung zur Aufgabe gemacht, Nischenprojekten, die im alpinwissenschaftlichen Mainstream unterzugehen drohen, zumindest eine Anschubfinanzierung zu gewährleisten.
Gerne erwähnen wir an dieser Stelle, dass Spendenbeiträge an die Stiftung vollumfänglich der Projektunterstützung zugute kommen.
PROJEKTE
Eiszeitkarte
(Prof. Christian Schlüchter, UNI Bern)
Die bisher in Schulen und weit darüber hinaus verbreitete Karte der eiszeitlichen Vergletscherung der Schweiz wurde in den 1950er Jahren publiziert und dann um 1970 im Atlas der Schweiz überarbeitet abgedruckt. Inzwischen sind wesentliche glaziologische Erkenntnisse hinzugekommen, die einer Neuausgabe einen zusätzlichen Schub verliehen haben. Der Auftrag für eine neue Eiszeitkarte erging von der Kommission für Quartärforschung der
SCNAT an Christian Schlüchter, Professor für Quartär- und Umweltgeologie an der Universität Bern. Die neue Eiszeitkarte wird die Schweiz während des letzteiszeitlichen Maximums im Massstab 1:500'000 darstellen. Für die
Autorenhonorare sind das Geologisches Institut der Uni Bern und die SSAF aufgekommen. Wie schon im Tätigkeitsbericht 2008 festgehalten, drängten sich nachträglich relativ zeitaufwendige, zusätzliche Abklärungen vor allem im südalpinen Bereich auf. Dadurch zogen sich die letzten Autorenkorrekturen bis in den Spätherbst 2009 hin. Dann folgten diverse Farbabstimmungen, da die Karte in 8-Farben-Druck erstellt wird. Die fertige Karte wird voraussichtlich im März 2010 vorgestellt werden.
Mont-Miné-Gletscher/Analyse von Holz- und Torffunden
Eine wissenschaftliche Publikation über die Klimaentwicklung im (schweizerischen) Alpenraum der letzten 10'000 Jahre (Prof. Christian Schlüchter, UNI Bern)
Die SSAF hat die Unterstützung dieser Publikation für die Jahre 2007-2009 zugesagt. Verschiedene Ergebnisse dieser Arbeit fanden bereits Eingang in Darstellungen von Prof. Ch. Schlüchter über die Gletscher- und Klimaschwankungen im Holozän. Der Mont-Miné-Gletscher ist mit seiner grossen Anzahl von Holz- und Torffunden in denen vor allem eine Rückzugsperiode sehr gut (bzw. besser als bei allen anderen Gletschern) dokumentiert ist, ein wichtiger Indikator für den Ablauf der Gletscherrückgänge in dieser Zeitspanne.
Auf Grund der starken Beanspruchung mit der Eiszeitkarte und anderen dringenden Forschungsarbeiten, musste die Mont-Miné-Publikation (die grundsätzlich abgeschlossen ist), nochmals zurückgestellt werden.
Geologenkongress
Quartärforschungskongress 2011 in Bern (International Union for Quaternary Research INQUA), Organisation: Prof. Christian Schlüchter.
Seitens der SSAF wird 2009 grundsätzlich eine projektbezogene Unterstützung, verbunden mit einer Präsenz der SSAF am Kongress, befürwortet. Entsprechende Erkundigungen sind seitens der SSAF initiiert worden.
Science et Cité: Basecamp 9.-13.September 2009, Waisenhausplatz Bern
Prof.Ch. Schlüchter hat sich gemeinsam mit der Fachhochschule Burgdorf mit einem Stand an der Veranstaltung von Science et Cité in Form eines "Basecamps" in Bern beteiligt. Dort wurden – neben anderen Arbeiten
(insbesondere Hangrutschungen) – auch Erkenntnisse bezüglich der Gletscherentwicklungen im Holozän vorgestellt.
Die SSAF erhielt eine Einladung zur Teilnahme an einer der ersten Koordinationssitzungen von Science et Cité. Im Rahmen der Basecamp-Veranstaltung vom Donnerstag, 10. September, am sog "Naturgefahrentag", war unsere Stiftung mit einem aktualisierten SSAF-Flyer präsent und wurde von ihrem Präsidenten, Etienne Gross, vertreten. Eigentlich hätten die Forschungsergebnisse von Prof. Christian Schlüchter zu den Gletscher- (und Klima-) Schwankungen im Holozän thematisch zu den Hauptveranstaltungen vom Freitag und Samstag, den sog. "Klimatagen", gepasst. Doch Forschungsergebnisse – wie diejenigen von Prof. Ch. Schlüchter –, die sich nicht
nahtlos in den aktuellen wissenschaftspolitischen Mainstream einpassen lassen, scheinen an solchen Veranstaltungen ausgegrenzt zu werden. Schon nur damit die Vorstellung dieser Forschungsergebnisse "nebenbei" überhaupt zugelassen wurde, musste unsererseits ziemlich Druck aufgesetzt werden. Wie man uns seitens von Science et Cité beschied, war ein wesentliches Ziel dieser Veranstaltung, den menschengemachten Klimawandel zu präsentieren – dabei seien Angaben über Forschungsergebnissen, die nicht zur Vermittlung dieses Zieles passten, von Science et Cité nicht vorgesehen (bzw. nicht gewünscht).
TOP to TOP, Unterstützung der Aktivitäten von Dario Schwörer
Stiftungsrat und Geschäftsführer Thomas Weber hat im Namen der SSAF die von ihm getragene Unterstützung von Schwörers Expedition "1st Expedition over 7-Seas to the 7-Summits only by Nature’s Power" weitergeführt.
Fonds Jacot-Guillardmod
Seit der 2008 geleisteten einmaligen Unterstützung an den Fonds Jacot-Guillarmod erhält die SSAF jeweils das "Bulletin de l’Association Famille Jacot-Guillarmod" sowie eine Einladung zur "Assemblée Générale" der Association.
Mountain Research and Development MRD
Basierend auf dessen Trägerschaft, der International Mountain Society IMS, scheint MRD für die Finanzierung zurzeit nicht (mehr) auf eine Unterstützung durch die SSAF angewiesen zu sein. Gemäss Anfrage der SSAF besteht
seitens der MRD jedoch weiterhin ein grundsätzliches Interesse an einer Kooperation. Dabei soll eine solche nach Bedarf von MRD und SSAF jeweils ad hoc abgeklärt werden können.
Aufklärungsprojekt zur verwaldungsbedrohten alpinen Biodiversität
und "Pro-Montes-Preis" (Wettbewerb zur Förderung von Arbeitsplätzen im Berggebiet)
Beide Projekte sind im Berichtsjahr zurückgestellt worden zugunsten eines Joint Ventures, welches beiden zentralen Anliegen der Stiftung gerecht wird:
der Förderung von Arbeitsplätzen im Berggebiet und der Erhaltung der alpinen Biodiversität – mit dem Projekt:
ÄlplerInnen – ein AlpFUTUR-Teilprojekt:
Im Rahmen des Verbundprojektes AlpFUTUR der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, ART, und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, WSL, versucht das Teilprojekt ÄlplerInnen die wesentlichen Bestimmungsfaktoren für einen attraktiven Arbeitsplatz 'Alp' zu identifizieren. Durch die Erhaltung der Sömmerungsgebiete wird einerseits eine bergspezifische Berufsgattung gefördert und andererseits der kulturlandschaftsabhängige Anteil der alpinen Artenvielfalt vor dem verwaldungsbedingten Exitus bewahrt.
Für dieses Teilprojekt ist die SSAF alleinige Geldgeberin. Der Zeitplan sieht vor, das Projekt zwischen Dezember 2010 und Februar 2012 durchzuführen. Die Finanzierung der Projektkosten wird einerseits gedeckt durch drei Jahrestranchen direkt aus dem Stiftungsvermögen und andererseits durch eine projektgebundene Spende von Drittseite.
Schlussbemerkung
Der Tätigkeitsbericht schliesst mit einem Votum, welches Daseinsberechtigung und Zweckbestimmung, Kernanliegen und Auftrag unserer Stiftung zum Ausdruck bringt:
"Alpine Forschung im Dienste einer lebenswerten Bergwelt erkundet und propagiert die Voraussetzungen für eine Symbiose von menschengerechtem Naturschutz und naturgerechter Kulturlanderhaltung."
| Etienne Gross | Thomas Weber |
| Stiftungsratspräsident | Geschäftsführer |
