TÄTIGKEITSBERICHTE
TÄTIGKEITSBERICHT 2008
Geschäftsstelle
Das Stiftungssekretariat an der Stadelhoferstrasse in Zürich nahm auch im vergangenen Jahr zahlreiche Anfragen zu den unterschiedlichsten Bereichen alpiner Forschung entgegen und war bemüht, fundierte Auskunft durch kompetente Persönlichkeiten der einzelnen Fachdisziplinen zu vermitteln.
Unterstützungsgesuchen für alpinwissenschaftliche Projekte kann die SSAF weiterhin nur im begrenzten Ausmasse entsprechen, denn ihre bescheidenen Ressourcen werden grossenteils für bereits laufende Projektarbeiten eingesetzt. Dennoch ist die Stiftung bemüht, bei unterstützungswürdigen Nischenprojekten, die im wissenschaftlichen Mainstream unterzugehen drohen, zumindest eine Anschubfinanzierung zu gewährleisten.
Gerne erwähnen wir an dieser Stelle, dass Spendenbeiträge an die Stiftung vollumfänglich der Projektunterstützung zugute kommen.
PROJEKTE
Eiszeitkarte
(Prof. Christian Schlüchter, UNI Bern)
Die bisher in Schulen und weit darüber hinaus verbreitete Karte der eiszeitlichen Vergletscherung der Schweiz wurde in den 1950er Jahren publiziert und dann um 1970 im Atlas der Schweiz überarbeitet abgedruckt. Inzwischen sind wesentliche glaziologische Erkenntnisse hinzugekommen, die einer Neuausgabe einen zusätzlichen Schub verleihen. Die neue Eiszeitkarte, auf welcher die maximale Ausdehnung der Gletscher in der letzten Eiszeit dargestellt wird, wurde 2008 seitens der SSAF für ein zweites Jahr unterstützt, wodurch insbesondere die Arbeit der Autoren gefördert werden konnte. Der Auftrag für diese neue Karte erging von der Kommission für Quartärforschung der SCNAT an Christian Schlüchter, Professor für Quartär- und Umweltgeologie an der Universität Bern.
Mont-Miné-Gletscher/Analyse von Holz- und Torffunden
Eine wissenschaftliche Publikation über die Klimaentwicklung im (schweizerischen) Alpenraum der letzten 10'000 Jahre
(Prof. Christian Schlüchter, UNI Bern)
Im Rahmen des Rückzugs der Gletscher in der Schweiz (aber auch anderswo im Alpenraum) werden mehr und mehr Hölzer und Torfbestandteile freigegeben, die in früheren Vorstossphasen von den Gletschern überfahren wurden. Daraus lässt sich schliessen, dass es jeweils zuvor Warmphasen gegeben hat, in denen die Gletscher teilweise wesentlich kürzer gewesen sein müssen als heute.
In den letzten 10'000 Jahre konnten durch Datierungen einer grossen Anzahl von Fundstücken 10-12 „Warmfenster“ mit einer Gesamtdauer von ca. 5'500 Jahren nachgewiesen werden.
Die SSAF hat die Unterstützung dieser Publikation für die Jahre 2007-2009 zugesagt.
Vertrieb Great-Himalaya-Buch
Der Vertrieb dieses von der SSAF herausgegebenen englischsprachigen Buches konnte 2008 reaktiviert werden.
Zum einen haben die beiden Träger des Mountain Research and Development (MRD)-Projektes (mit Thomas Kohler als Mitautor) über Allen Press (USA) und zum anderen Bernhard Banzhaf als weiterer Mitautor über einen Direktverkauf in Nepal (mit 50 bzw. 100 Ex) das Great-Himalaya-Buch wieder in den Verkauf gebracht.
Film Hochleistungstest von 1969
Dieser Film des Aroser Berufsfotografen, Fliegers und Bergsteigers Ruedi Homberger liegt seit 2008 in einer DVD-Version vor. Knapp 40 Jahre alt sind die darin dargestellten Methoden der gebirgsmedizinischen Forschung und haben dementsprechend vor allem einen Stellenwert als historische Wegmarken auf dem intensiv beforschten und ergebnisreichen Weg, den die Gebirgsmedizin seither beschritten hat. Die Filmrechte bleiben bei der SSAF. Von den 60 von der SSAF übernommenen DVD's wurde ein Musterexemplar an den Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Gebirgsmedizin, Dr. med. Pfeifhofer verschickt. Dieser wird im Forum Alpinum der SGGM einen Beitrag über die Stiftung bringen. Stiftungsratsmitglied O. Oelz hat sich dafür besonders eingesetzt.
Film Baffin Island 1953 (als Dokument der früheren SSAF-Polarforschungsaktivität)
Die Nutzungsrechte der schweizerischen dreisprachigen Version liegen auf Grund einer grosszügigen vertraglichen Regelung des ehemaligen Stiftungsrates Fritz Hans Schwarzenbach zu gleichen Teilen bei der SSAF, Fritz Hans Schwarzenbach und der Firma Weissfilm GmbH.
Der digitalisierte Film wurde im Schweizerischen Alpinen Museum SAM am 23. April 2008 einer breiteren Öffentlichkeit erfolgreich präsentiert.
Science et Cité / BaseCamp 2009
An der ordentlichen Stiftungsratssitzung vom 17.11.2008 wurde angeregt, dass sich die SSAF zusammen mit Prof. Christian Schlüchter an den Veranstaltungen von Science et Cité beteiligt, die diese 2009 in Form von „Base Camps“ in verschiedenen Schweizer Städten durchführen wird. Entsprechend wurde seitens der SSAF mit Science et Cité und Prof. Ch. Schlüchter Kontakt aufgenommen. Prof. Ch. Schlüchter, der mit der Fachhochschule Burgdorf bereits mit dem Thema Hangrutschungen vertreten sein wird, zeigte sich sehr interessiert, die Präsentation mit den von der SSAF unterstützten Projekten (insbesondere Gletscherschwankungen) zu erweitern.
Bis Ende 2008 nahm die SSAF auch mit Science et Cité Kontakt auf. Die Möglichkeit einer Mitbeteiligung der SSAF am Base Camp in Bern (die anderen Standorte waren schon vergeben) konnte gewahrt werden.
Unterstützung des Buches über Augusto Gansser (ehemaliger Stiftungsrat)
„Augusto Gansser – der Welterkunder“
Für dieses vom AS-Verlag herausgegebene Buch wurde einem Gesuch um Unterstützung seitens der Familie von Augusto Gansser entsprochen. Das Buch ist im Sommer 2008 herausgekommen.
Fonds Jacot-Guillardmod
Der Fonds Jacot-Guillardmod hat zum Ziel, die Fotosammlung und das Tagebuch des Himalayisten und Arztes Jules Jacot-Guillardmod (1868-1925) sowie die alpinen und wissenschaftlichen Aktivitäten weiterer bekannter Mitglieder dieser Familie einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Die SSAF hat einen Anerkennungsbeitrag für die Aufarbeitung des Nachlasses von Jules Jacot-Guillardmod gesprochen.
Symposium „25 Jahre Höhenmedizinische Forschung in der Capanna Margherita“
Dieses vom 9.-12.Oktober 2008 im Teatro civico, Varallo, Val Sesia (Italien) veranstaltete Symposium, bei welchem Stiftungsrat Oswald Oelz sowohl als OK-Mitglied wie als Referent engagiert war, wurde seitens der SSAF unterstützt. Die Höhenmedizin gehört zu den Kernanliegen der SSAF, die schon entsprechende frühere Forschungen stets unterstützt hat (vgl. Film „Hochleistungstest von 1969).
Projekt „Pro Montes-Preis“
Die Grundidee eines solchen Preises besteht in der Förderung von Projekten, mit welchen neue Arbeitsplätze in den alpinen Regionen geschaffen werden könnten. Dabei sollte es sich um Arbeitsmöglichkeiten handeln, die einen engeren Bezug zur Bergwelt selber haben. Dazu gehören u.a. bergsportliche ebenso wie land- (bzw. alp-)wirtschaftliche oder gegebenenfalls auch touristische Aktivitäten mit nachhaltiger Ausrichtung.
Da bezüglich der Ein- und Abgrenzung, der Fokussierung, der Auswahlkriterien und eines eventuellen Zusammengehens mit andern Institutionen/Organisationen noch nicht alle Fragen ausreichend detailliert geklärt sind, wird an diesen Bereichen des Projektes „Pro Montes Preis“ noch gearbeitet. Entsprechend ist die SSAF mit dem Projekt ausserhalb dieser Website noch nicht an die Öffentlichkeit getreten.
Aufklärungsprojekt zur Alpinen Biodiversität
Biodiversitätsanalyse verwaldungsbedrohter Offenlandbiotope des Alpenraums
Entgegen der Meinung der auf dem Gebiet der Alpinoekologie tätigen Forscher, denen die Parameter, welche die alpine Artenvielfalt beeinflussen, geläufig sind, ist das Gefährdungspotential, welches die rasant fortschreitende Verwaldung für die offenlandabhängigen Tier- & Pflanzenarten darstellt, bei der breiten Bevölkerung kaum bekannt. Nach wie vor nimmt der Schweizer Wald jährlich um die Fläche des Thunersees zu, entsprechend 18 Fussballfeldern pro Tag (BUWAL 2005). Deshalb ist eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Dringlichkeit der Unterschutzstellung alpiner Offenlandbiotope vonnöten.
Ein populärwissenschaftlich gestaltetes, biodiversitätsbezogenes Argumentarium soll in Form einer Broschüre, einer Reportage oder eines Internet-Kurzfilms aufzeigen, wie die alpinen Kulturlandschaftszonen, welche die Offenlandbiotope in Form von Weiden, aber auch lichten Wäldern und gepflegten Moorlandschaften beherbergen, durch die entsiedlungsbedingte Verbrachung und Verwaldung zerstört werden.
Nur dann, wenn auch die urbane Bevölkerung aufgerüttelt werden kann, etwas zu tun gegen den bereits jetzt massiven Verlust an kulturlandschaftsabhängiger Biodiversität in den Alpen, hat ein zukünftiges, dem Walderhaltungsgesetz gleichgestelltes Alpweidenerhaltungsgesetz eine Chance, realisiert zu werden.
Schlussbemerkung
Der Tätigkeitsbericht 2008 schliesst wiederum mit den Worten:
"Ein konstruktives Miteinander von menschengerechtem Naturschutz und naturgerechter Kulturlanderhaltung ist Garant einer lebenswerten Bergwelt."
Thomas Weber
Geschäftsführer der Stiftung
