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GOOD NEWS FÜR DIE ALPINE BIODIVERSITÄT

 

Eine Zeitungsmeldung lässt Hoffnung für die verwaldungsgefährdeten Offenlandbiotope aufkommen:


TAGES-ANZEIGER 2.2.2010

Abkehr vom rigorosen Schutz des Waldes

 


Christian von Burg

Der Wald soll nicht weiter wachsen, verlangen die Schweizer Forstdirektoren. Ersatzaufforstungen für Rodungen müssen nicht in jedem Fall sein.

Das Schweizer Waldgesetz gilt international als Erfolgsmodell. Da sich Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Rutschungen und Lawinen gehäuft hatten, wurde vor 134 Jahren ein rigoroser Schutz für den Wald beschlossen. Ab sofort durfte die Waldfläche nicht weiter dezimiert werden. Flächen, die vergandeten, wurden nach 20 Jahren automatisch zum Waldgebiet geschlagen. Einst kahle Berge sind unterdessen längst wieder bewaldet, Gebirgstäler wieder bewohnbar.

Waldfläche wächst

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Wachstum des Waldes beschleunigt. Zahlreiche Bauern geben die Bewirtschaftung steiler Trockenwiesen an den Berghängen auf. Zwischen 1993 und 2004 hat die Waldfläche im Alpenraum um neun Prozent zugenommen. Das entspricht 335 Quadratkilometern, einer Fläche ungefähr so gross wie der Kanton Schaffhausen. Die kantonalen Forstdirektoren schlagen nun einen grundlegenden Wandel in der Waldpolitik vor. Die Kantone sollen das Recht bekommen, die bisher flexible Waldgrenze genau festzulegen und damit nach oben zu begrenzen. Wald, der nach Festlegung der neuen Waldgrenzen noch dazuwächst, soll auch nach 50 oder 100 Jahren einfach und ohne Ersatz zu roden sein, wie Otmar Wüest, Geschäftsführer der Forstdirektorenkonferenz, erklärt.

Zudem sollen als Ersatz für Waldrodungen neu nicht nur Wiederaufforstungen, sondern auch «andere Massnahmen zugunsten von Ökosystemen» möglich sein. Trotz dieser Neuerungen sollen die Waldflächen auf der Stufe von Regionen insgesamt gleich bleiben. Gemäss Wüest darf es nicht möglich werden, im Mittelland abzuholzen und dafür im Alpenraum Wald nachwachsen zu lassen.

Bei Umweltpolitikern stossen die Vorschläge der Forstdirektoren auf offene Ohren. Nach der nationalrätlichen stimmte letzte Woche auch die ständerätliche Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie der Flexibilisierung der Waldflächenpolitik grundsätzlich zu. Die Details zur Gesetzesänderung werden erst im Verlauf des Jahres erarbeitet. Dabei dürfte es zu einigen Diskussionen kommen. So möchte der Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker beispielsweise den Perimeter für Ersatzaufforstungen über die Region hinaus auch auf benachbarte Kantone ausdehnen.

Pro Natura mit Vorbehalten

Zwiespältig sind die Reaktionen auf die Gesetzesrevision bei den Umweltverbänden. Die vereinfachte Rodung vergandeter Wiesen im Berggebiet befürworten sie. Alpine Trockenwiesen gehören nämlich zu den artenreichsten Lebensräumen in der Schweiz. In den letzten 60 Jahren sind 90 Prozent dieser kaum gedüngten Wiesen mit zahlreichen Blumen und Schmetterlingen verschwunden. Marcus Ulmer von Pro Natura fordert nicht nur eine Rodung dieser Flächen, sondern auch eine Verlagerung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen, damit diese Wiesen von den Bergbauern wieder regelmässig gemäht werden.

Die Festlegung von statischen Waldgrenzen stösst bei den Umweltverbänden hingegen auf Skepsis. Dadurch würden zwei Kategorien von Wald geschaffen: geschützter Wald und nachträglich gewachsener und damit ungeschützter Wald. In 50 Jahren sei der Unterschied kaum mehr erkennbar und die unterschiedliche Rechtslage schwer einsehbar, sagt Ulmer. Pro Natura befürchtet, dass so der Schutz des Waldes generell geschwächt würde.

 

 

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