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Pro Montes Preis 2016 - PMP2016

Für die Zukunft der alpinen Kulturlandschaft

zwinkernder Steinbock
Pro Montes Preis 2016 – PMP 2016
 
 
Der ProMontesPreis der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung wurde am
28. April 2016, anlässlich der Phil.Alp-Tagung der Interakademischen Commission
für Alpine Studien, ICAS, .in Luzern zum dritten Mal vergeben.

Preisträger ist Benjamin Dietre, Dissertant am Institut für Botanik der Universität
Innsbruck. Seine Arbeit über ''Einfluss der Weidewirtschaft auf die Biodiversität
der alpinen Landschaft des Unterengadins während den letzten 10'000 Jahren''
("Impact de l’agro-pastoralisme sur la biodiversité des paysages alpins de la
Basse Engadine pendant les 10’000 dernières années.") gibt einen minutiösen
Einblick in die historische Entstehung der alpinen Offenlandbiotope im Gefolge
der Entstehung der alpinen Weidewirtschaft.

Hauptsächlich mithilfe von Pollenanalyse in Moortorfschichten konnte die Dynamik
der Holozän-Vegetation über eine Zeitperiode von mehr als 10'000 Jahren für die
Region des Silvrettamassivs zwischen Paznaun und dem Unterengadin
rekonstruiert werden. Als stärkste Veränderungskräfte der Vegetation wurden
– auch mit Proxydaten aus Bodenkunde und Dendrochronologie und mit
archäologischen Fundstellen oberhalb 1800 m.ü.M. – die natürlichen
Klimaoszillationen des Holozäns und die in der Jungsteinzeit vor 6'000 Jahren
beginnende Landbewirtschaftung identifiziert. Mit dem Übergang zur Bronzezeit
und später in der Römischen Periode und in der Mittelalterlichen Warmzeit nahm
durch Feldkultivierung und Brandrodung der Kulturlandanteil und damit der
Lebensraum für Fauna und Flora der Offenlandbiotope kontinuierlich zu.

Heute scheint sich das Rad der Geschichte zuungunsten der alpinen
Kulturlandschaft und ihrer Offenlandbiotope zurückzudrehen. Hoffen wir, dass
dieser botanisch-stratigraphische Tour d'Horizon durchs Holozän den Blick dafür
schärfen möge, was wir verlieren, wenn wir den Kampf gegen den
Kulturlandverlust nicht gewinnen.

 
Der ProMontesPreis im Wert von 5'000 Franken honoriert diese 
Nachwuchsforschung als wichtigen Beitrag für die Zukunftssicherung der alpinen
Kulturlandschaft. Erstmalig wird dieses Jahr als Ansporn für weitergehende
Forschung zusätzlich eine projektbezogene Unterstützung von 20'000.- Franken
erteilt, sofern ein den PMP-Kriterien entsprechendes Nachfolgeprojekt vorgelegt
wird.

Article en Français

 
Die Schweizerische Stiftung für Alpine Forschung sieht sich veranlasst, speziell die
Forschung für die Zukunftssicherung der kulturgegebenen Alplandschaften zu fördern,
weil diese im Gegensatz zu den naturgegebenen Wald- und Moorlandschaften des
Berggebietes von den etablierten Naturschutzbestrebungen zu wenig berücksichtigt
werden.

Seit dem 20 Jahrhundert ist es auch im Alpenraum zu rasanten Umwälzungen
gekommen. So konnte sich zwar der Bergwald weitgehend vom Raubbau im 19.
Jahrhundert erholen und auch die Rasenlandschaft der alpinen Stufe hat von
Naturschutzmassnahmen profitiert. Andererseits leidet aber die traditionelle
Kulturlandschaft bis heute unter verschiedensten Entwicklungstendenzen der letzten
Jahrzehnte. Mit Tourismus- und Verkehrsentwicklung eröffneten sich für die
Bergbevölkerung Verdienstangebote, welche die Landschaftspflege vernachlässigbar
machten. Die grösste Gefährdung erwächst der alpinen Kulturlandschaft und dem von
ihr abhängigen Drittel des alpinen Biodiversitätsspektrums allerdings aus dem Sein oder
Nichtsein der Landwirtschaft selbst. Einerseits führt ihre Intensivierung an rentablen
Lagen zum Artenrückgang. Andererseits führt die Bewirtschaftungsaufgabe dort, wo der
Mangel an Arbeitsplätzen und Service public zur Abwanderung zwingt, durch
konkurrierende Verwaldung ebenfalls zum Rückgang der Artenvielfalt.

Zukunftssicherung für die alpine Kulturlandschaft erfordert ein ganzes Bündel
von Massnahmen; von innovativen Privatengagements bis hin zur gesetzlichen
Wegbereitung. Die Schweizerische Stiftung für Alpine Forschung erhofft sich, dieses
Massnahmenbündel mit neuen Erkenntnissen aus der Nachwuchsforschung ergänzen
zu können.

Ganz im Sinne der Zielsetzung des ProMontesPreises:
 
Alpine Biodiversität statt Alpine Brache!